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Hallo.

Mein Name ist Okka.
Dieses Blog handelt von
den Dingen, die ich liebe – Büchern, Filmen, Mode,
Beauty, Kochen, Reisen.
Und vom Leben mit meinen beiden Töchtern in Berlin. 
Schön, dass du hier bist. 

UND WIE MACHST DU DAS, CAROLINE?


Name: Caroline Adam
Alter: 25
Mutter von: Leonard Caspar "Lenny" (4 Monate)
Stadt: Berlin
Beruf: selbstständige Grafikdesignerin

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?
Kinderbetreuung gibt es bei uns noch nicht, Lenny ist ja erst vier Monate alt. Ich habe auch noch nicht im Ansatz begonnen, mich darum zu kümmern. Finde es irgendwie schräg, sich auf etliche Wartelisten setzen zu lassen - oft schon, wenn das Kind noch nicht einmal geboren ist - und dann am besten noch ein Motivationsschreiben aufsetzen....? Nee.

Da mein Mann und ich selbstständig sind, können wir es uns etwas besser einteilen als Eltern im Angestelltenverhältnis. Dazu kann ich mir gut vorstellen, mir mit zwei, drei Müttern für einen Teil der Woche eine Tagesmutter zu suchen, die dann unsere kleine Gruppe betreut. Das finde ich überhaupt schön, weil es dann familiärer ist und die Kleinen trotzdem mit anderen Kindern spielen können. Der Rest der Woche ließe sich dann zwischen Urgroßoma, Papa und mir selber organisieren. Irgendwie klappt es doch immer, oder?

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Noch bin ich in Elternzeit mit Elterngeld und bin daher nicht gezwungen, Aufträge anzunehmen. Ich hatte seit der Geburt schon ein paar Anfragen, aber habe mich bewusst gegen die meisten entschieden, da ich viel zu viel hätte jonglieren müssen. Das erste Jahr mit Kind ist so unersetzbar, dass ich es voll auskosten möchte. Außerdem hatte ich es auch ein wenig unterschätzt, wie viel Bespaßung so ein kleiner Mann tatsächlich braucht, da bleibt einfach wenig Zeit für Business. In Lennys Schlafphasen schaffe ich dann immerhin ein paar Kleinigkeiten: alte Projekte pflegen, kleinere Jobs, an einem neuen Konzept arbeiten und recherchieren...

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?
Lenny wird zwischen 5:30 Uhr und 6:30 Uhr wach. Dann stillen, kuscheln, wickeln, kuscheln. Dann wird mein Mann wach, wir genießen beide noch ein wenig Zeit mit dem Kleinen zusammen, lachen, blödeln. Dann steht einer auf, macht Kaffee und Obstsalat, den wir dann in der Morgensonne auf unserer Terrasse genießen. Meistens husche ich dann noch schnell unter die Dusche, bevor mein Mann ins Büro muss. Wenn ich Glück habe, legt Lenny noch ein Nickerchen ein und ich kann ein wenig lesen, surfen oder arbeiten. Zwischendurch wird noch unsere Katze Aomame bespielt. Oder sie darf mit uns auf dem Bett kuscheln, wenn sie nicht versucht, Lenny den Kopf zu lecken oder sein Spielzeug zu klauen. Beides hat sie nach dem 600sten Nein nicht aufgegeben, was man ihr ja auch nicht verübeln kann. Dann geht es raus an die frische Luft, mal länger, mal kürzer. Berlin ist einfach so herrlich im Sommer...! Ich treffe mich viel mit anderen Muttis, gehe zum Yoga oder mit Freunden Kaffee trinken. Manchmal bin ich auch den ganzen Tag mit Lenny allein unterwegs und bummle durch die Stadt. Seit die ersten drei Monate um sind, fühlt es sich wirklich ein wenig an wie die großen Sommerferien. Aber die ersten drei Monate, da muss frau eben durch...

Mein Mann kommt meistens gegen 20 Uhr nach Hause, wenn nicht noch ein Essengehen, Barbesuch oder eine Geschäftsreise auf dem Plan steht. Seit Neuestem bringen wir Lenny ziemlich regelmäßig um 20 Uhr ins Bett. Ich entertaine ihn dann müde, wir singen noch ein Gute-Nacht-Lied und er schläft dann tatsächlich, was meinem Mann und mir endlich mal wieder ein paar Momente Zweisamkeit schenkt und die Gesprächsthemen nach egöööö, egööö, ngaaiii wieder in andere Sphären hebt. Spätestens um 23 Uhr fallen wir aber auch knülle ins Bett. Ich bin dann natürlich nachts noch 1-2 Mal wach zum Stillen. Ich freue mich immer tierisch aufs Wochenende, zu dritt ist es am schönsten und Mama hat dann auch mal eine Hand frei.

Wieviel Zeit hast du für dich - jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Naja, dass das erste Jahr mit Kind kein Selbstverwirklichungstrip wird, war klar, dennoch hatte ich mir keine Vorstellung davon gemacht, dass ein Neugeborenes so viel Aufmerksamkeit braucht und dass man als Mama dann eben doch die letzte Instanz ist, wenn gar nichts mehr geht. Lenny hat immer sehr wenig geschlafen, war ein Vollzeit-Tragekind, wollte andauernd gestillt werden, was anfangs nicht so richtig klappen wollte. Und Lenny ist ein pflegeleichtes Kind mit viel guter Laune und wenig schreien. Trotzdem waren die ersten drei Monate sehr kräfteraubend und ich war rund um die Uhr on Air. Am Anfang hat mich das ehrlich gesagt etwas fertig gemacht, ich wollte alles unter einen Hut bekommen und es hat mich gefrustet, das nicht zu schaffen und ich dachte, das würde sich nie ändern (was es ja zum Glück tut). Ich glaube, dass man sich als Frau heutzutage viel zu viel Stress macht und sich getrieben fühlt, schnell wieder das Super-Ich zu sein - Mama, Job fünf Yoga-/ Baby-Kurse, toll aussehen und nebenbei noch jede Tageszeitung auswendig können, jeden Blog gelesen haben. Geht eben nicht. Da ist dieses kleine Wesen, was dich voll braucht und das ist auch gut so. Alles zu seiner Zeit. Dennoch freue ich mich (mit aller notwendigen Geduld) auf meinen ersten Gin Tonic. An einer Bar. Ohne stillfreundliches Oberteil.

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?
Psychisch: Es ist wohl kaum in Worte zu fassen, was da für eine Wucht an Emotionen auf einen zukommt. Diese Liebe, die unglaublicherweise jeden Tag noch mehr wird, die Unsicherheit, ob man alles richtig macht, das Mitgefühl, wenn das Baby ´nen Pups quer sitzen hat, die Freude über alles Neues, das Entzücktsein über die kleine Babyspeckhand und dann dieses ewige Kennenlernen und wieder Loslassen, bei der Geburt, das Neugeborene, das Baby, dann das Kleinkind. Man wird schon ein bisschen bescheuert im positiven Sinne und davon hatte ich nur eine grobe Ahnung. Es ist toll. Ehrlich. Und es ist gut, dass auf einmal alles in Relation steht. Das vieles so unglaublich unwichtig geworden ist, die schlechten Nachrichten, die überfüllte U-Bahn, der nervige Kunde. Irgendwie freue ich mich schon auf das zweite Kind, da weiß man dann, dass es komplett egal ist, ob man Stoff- oder Plastikwindeln benutzt, dass die blöden Blähungen irgendwann vorbei sind und das erste Lächeln dann eben kommt, wann es kommt. Und außerdem amortisieren sich dann hoffentlich die Myriaden an Anschaffungen.

Physisch: Herrje, ich hätte schon gerne meinen Prä-Mama-Ära-Körper wieder. Ich sehe leider noch in 50 Prozent meines Kleiderschranks aus wie eine Presswurst und werde wohl nie wieder Bikini tragen, ABER: Ich rauche und trinke nicht, bin täglich etliche Stunden an der frischen Luft, gehe joggen und esse viel bewusster und besser. In dem Sinne fühlt sich das auch alles gut und richtig an. Und ich bin stolz auf meinen Körper, dass der das alles so wuppt.

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Noch bin ich nicht in Spielplatz-Zickereien geraten, fand es immer toll, wenn Freunde meinen Bauch angefasst haben, habe ein sehr nettes Mutti-Netzwerk in Kreuzberg, muss mir keine doofen Ratschläge anhören. Es gibt tolle Kursangebote, die den Tag nicht zu lang werden lassen, ich habe einen tollen liebevollen Mann und nicht zuletzt ein ganz bezauberndes Kind, was lediglich ab und zu mal eeetwaaas zeitaufwendig ist, aber wirklich anstrengend...? Wenn ich nicht selber anstrengend zu mir bin und ich mir ab und zu die oben beschriebenen Relationen vor Augen halte, gibt es rein gar nichts. (Ha, wart mal ab, bis die Zähnchen kommen, denken jetzt bestimmt alle, gell?).

Was macht dich besonders glücklich?
Ich bin noch zu hormongeflutet, um das ernsthaft objektiv beantworten zu können. Hehe. Also: Mein Kind macht mich glücklich, mein kleiner und mein großer Mann, meine eigene kleine Familie. Der Moment. Alles. Sehr sogar. Weil es mir auch zeigt, dass ich genau das Richtige gemacht habe. Weil es nicht immer so schön in meinem Leben war und vielleicht auch nicht immer sein wird. Deswegen einfach genießen, wie es ist.

Welches Verhältnis hast du zum Vater deines Kindes? Wie hat das Kind dieses Verhältnis verändert?
Mal abgesehen von dem (fehlenden) gemeinsamen Glas Wein am Abend und der damit verbundenen Zeit, hat sich nicht viel geändert. Na gut. Wir haben drei Tage vor der Geburt geheiratet, nur mit Trauzeugen, ganz unprätentiös mit viel Spaß und wenig Stress. Irgendwie wollten wir beide dieses "Familie". Wir drei. Ganz klassisch mit Trauschein. Ohne Antrag auf Vaterschaft und Sorgerechtgedöns (was für ein Blödsinn...!). Die Verbundenheit ist (noch) stärker, das Teamwork, die Organisation. Vorher haben wir mehr in den Tag hinein gelebt, sind sonntags auch mal erst um 14 Uhr aufgestanden. In einer Beziehung muss man sich wohl einfach die Zeit geben, sich in die neue Rolle als Mama und Papa einzufinden. Es ist irgendwie schade, dass die erste Zeit mit Baby so auf die Mama fixiert ist, aber das wird sich ja mit Einführung von Brei, Betreuung und Bobby Car relativieren. Jeder muss Abstriche machen. Trotzdem sind wir beide immer noch Wir. Und er Er. Und ich Ich. Ich hoffe, das können wir uns auf Dauer bewahren.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?
Vorweg: Wenn mich eines nervt, dann sind das Leute, die auf ihren gepolsterten Hintern sitzen und sich von da aus beschweren. Echt mal. Uns geht es so gut in Deutschland, siehe allein den Vergleich mit der Schweiz (und Hanna und Till). Nirgendwo wirst du so aufgefangen wie hier, vom Arbeitslosengeld bis hin zum Mutterschutz, Elterngeld, Krankenversicherung, Künstlersozialkasse. Selbst denjenigen, die aus dem System fallen, steht man zur Seite (Mama, alleinerziehend, arbeitslos ohne Studienabschluss). Man kann sich nicht immer auf andere bzw. den Staat verlassen, sondern eben auch mal flexibel sein und/oder umdenken. Das Elterngeld hat mich nicht zur Mutter werden lassen, aber es sorgt dafür, dass ich meinem Baby momentan voll Mama sein kann und mich eben nicht mit Volldampf wieder in die Arbeit stürzen muss. Die Betreuungssituation könnte natürlich besser sein, die mittelständischen Unternehmen dürften weniger gemolken werden, das Bildungssystem sollte angepasst werden... aber eben könnte, sollte, müsste.

Was ich toll finde, mit wie vielen neuen Menschen man in Kontakt kommt. Es ist irgendwie ganz viel Menschlichkeit in der Luft. So ein Kind öffnet ungemein.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, dass du vorher nicht wusstest?
Ich bin ganz beeindruckt, dass so ein kleiner Mensch uns große Menschen schon so sehr den Spiegel vor´s Gesicht hält. Wie meine Stimmung sich in seiner Stimmung findet und wie ich mich dadurch reflektiere und jetzt lieber dreimal tief Luft hole anstatt mich von irgendeinem Mist nerven zu lassen und es dann auf den Kleinen zu projizieren. Dass alles gut ist, wenn man es denn gut sein lässt.

Du hast 48 Stunden kinderfrei: was tust du?
Sooooo laaaange?!?

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?
Ach, das ist so schwierig. Jeder lebt so in seinem eigenen angeboren-angelernten-aufgesetzten Mikrokosmos aus Pro und Contra. Jedem das Seine. Aus meiner psychologisch-korrekten Ich-Perspektive: Unbedingt!

Vielen Dank, liebe Caroline!
Hier sind die Fragebögen von Viola, Hanna, Mailis,  Isabelle, Indre, Kati und Jule.
Falls ihr jemanden kennt, der diesen Fragebogen unbedingt beantworten sollte, schreibt mir doch eine Email an postanslomo(at)googlemail(dot)com.
Ein schönes Wochenende!



EINE FRAGE (UND EINE VERLOSUNG!): WIE MACHT MAN EIGENTLICH SCHÖNE KINDERFOTOS?

WUNSCHZETTEL, TEIL EINS