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Hallo.

Mein Name ist Okka.
Dieses Blog handelt von
den Dingen, die ich liebe – Büchern, Filmen, Mode,
Beauty, Kochen, Reisen.
Und vom Leben mit meinen beiden Töchtern in Berlin. 
Schön, dass du hier bist. 

WIE SCHAFFT MAN ES, SICH WENIGER ZU ÄRGERN? DAS SIND DIE TIPPS VON LIFE-COACH LEA VOGEL

Liebe Lea,

ich habe für 2018 keine Vorsätze gefasst, aber einen Wunsch: Ich möchte weniger Zeit damit verbringen, mich zu ärgern. Über Menschen, die ich ohnehin nicht ändern und Dinge, die ich nicht beeinflussen kann oder die für mein Leben nicht wirklich wichtig sind. Ich bin schon besser darin geworden, die Halbwertszeit von Ärger in meinem Leben zu verkürzen, trotzdem fällt es mir immer wieder schwer, mich nicht einzuärgern. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, zum Beispiel. Oder nicht fassen kann, wie jemand sich verhält. Deshalb lautet meine Frage heute: Wie schafft man es, sich weniger zu ärgern? 

Allerliebsten Dank für Deine Antwort! 
Deine Okka

Liebe Okka,

hab vielen Dank für die Frage. Ich hatte fast den Eindruck, du hättest mir womöglich in den Kopf geguckt, denn das Thema „ sich ärgern lassen“ hatte gerade ein hübsches Plätzchen in meinem Leben. Und mit hübsch meine ich groß. Und mit groß meine ich zu groß. Aber der Reihe nach. 

Ich freue mich zu hören, dass du schon einen guten Umgang mit dem Thema gefunden hast, denn Ärger ist nun einmal Ärger und eine uns ungeliebte Emotion, daher wird sie in vielen Fällen ihre unangenehme Schwere beibehalten. Ein bisschen so wie eine kratzige Strumpfhose. Aber wenn sie schon kratzt, dann sollte sie doch wenigstens wärmen, oder? 

Mir hilft es meistens, mir anzuschauen, was wir vom Ärger lernen können. Was genau möchte er uns denn eigentlich mitteilen? Er wird ja nicht ohne Grund zu Besuch bei uns sein.

Um ihn besser zu verstehen, bediene ich mich gern an dreierlei Werkzeugen:

Werkzeug 1: 
Wahrnehmen, was das Ärgern mit uns macht.

Werkzeug 2:
Schauen, welche Funktion es hat, und was es uns sagen möchte.

Werkzeug 3: 
Loslassen.

Das Loslassen ist dabei eine echte Challenge, die zwar sehr passiv klingt, in Wirklichkeit aber unsere inneren Löwenkräfte fordert. Denn wir halten (paradoxerweise) ganz schön gerne fest. Vor allem an Ärger. Weil Festhalten eben auch Sicherheit und Kontrolle bedeutet. Und Rechthaben. Und jede Menge Futter für unseren Geist. Verzeihen und loslassen können ganz schön herausfordernd sein. Aber wir alle wissen auch: Es lohnt sich sehr. Denn wer loslässt, ist frei.

Bevor wir schon ans Loslassen denken, sollten wir schauen, welcher Qualität unser Ärger entspricht. Für mich gibt es da zwei Oberkategorien, in die sich das meiste einordnen lässt: Es kann ein „gekränktes Ärgern” sein („Wie kann man so etwas nur machen? Das würde ich nie tun!”). Oder ein „neidisches Ärgern”.

Das finden wir aber nur heraus, wenn wir uns genau anschauen, was uns da gerade so festhält. Im ersten Schritt müssen wir uns also klar machen, dass unser Ärger immer auch etwas mit uns zu tun hat. Hinschauen lohnt sich also, auch wenn es zwickt.

Gekränktes Ärgern

Wenn wir uns beispielsweise ärgern, obwohl wir eigentlich gekränkt sind, weil uns jemand kritisiert, missverstanden oder nicht wertgeschätzt hat, dann müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass hinter unserem Gekränktsein ein unerfüllter Wunsch liegt. Und wo ein unerfüllter Wunsch liegt, da schlummert Konfliktpotential. Vielleicht haben wir uns für ein Projekt sehr viel Mühe gegeben und bekamen anstelle eines Lobes eine Menge Kritik. Vielleicht haben wir eingekauft und wollten richtig schön für unseren Partner kochen – und er/ sie war in schlechter Stimmung und wollte einfach nur alleine sein. Meist fühlen wir uns dann missverstanden und unglücklich. Irgendwann projizieren wir diese negativen Gefühle auf den vermeintlichen Verursacher und ärgern uns über ihn/ sie. Wenn wir uns hier einärgern, lösen wir das Problem nicht, weil wir gar nicht auf der Ebene unterwegs sind, auf der das Problem entstanden ist. Deshalb ist es notwendig, dass wir ganz ehrlich sind – zu uns und unseren Mitmenschen. Wenn wir maximal transparent kommunizieren, was wir uns gewünscht und nicht bekommen haben (vielleicht reicht es, wenn wir nur ehrlich zu uns selbst sind), entweicht der Ärger und wir können beginnen, ihn loszulassen und wieder klarer sehen.  

Steckt ein Muster dahinter?

Mal angenommen, wir haben ständig Probleme mit unserer/m dominanten Vorgesetzten und wechseln aus diesem Grund immer wieder den Job, dann kann es sein, dass wir a) unsere Wünsche nicht transparent genug kommunizieren und dazu neigen, uns ihm / ihr chronisch unterzuordnen oder b) einem richtigen Reizpunkt begegnen, der etwas in uns auslöst, das wir nicht fühlen wollen. An dieser Stelle ist der Ärger eine Art unterbewusster und unbewusster Schutzmechanismus, ganz nach dem Motto: Wenn du Schuld hast, muss ich nicht bei mir hinschauen. Ich ärgere mich lieber, muss dann aber auch nicht an mein eigenes Thema heran. Wenn dieser Reizpunkt gedrückt wird, rutschen wir innerlich in einen kindlichen Modus ab, in dem wir uns ohnmächtig, ängstlich und manchmal auch trotzig fühlen. Sind diese Gefühle im Spiel, macht es Sinn, hellhörig zu werden und zu schauen, ob sich Muster dahinter verstecken.

Um herauszufinden, in welchem inneren Modus ich mich befinde, hilft es mir persönlich, die Intensität der Gefühle zu betrachten. Das Gefühl der Ohnmacht gehört nicht in eine alltägliche erwachsene Situation. Wenn mir das klar geworden ist, versuche ich, mir das Geschehene aus der Adlerperspektive anzuschauen, um Abstand zu meinen intensiven Emotionen zu bekommen. Hier geht es nicht ums Verdrängen, sondern um eine Klarheit, auf die wir im Treibsand der Gefühle nicht zurückgreifen können.

Ich frage mich also bewusst: Wie sieht es aus, wenn ich über den Dingen stehe? Was würde ich jemand anderem in dieser Situation raten? Ist mein Verhalten erwachsen? Wenn nein, wie wäre es, wenn ich Zugriff auf all meine Ressourcen hätte und nicht im Katastrophen-Denken festhinge? Was würde ich dann tun?

Wichtig ist, diesen Schritt zu gehen, auch wenn er Angst erzeugt und mit enormer Anstrengung verbunden ist. Denn je häufiger wir das machen, desto leichter wird es, sich selbst aus dem Treibsand zu befreien.

Ein Wertebruch, der weh tut

Manchmal begegnen uns Verhaltensweisen von Menschen im Leben, die sich einfach nicht richtig anfühlen. Wenn uns etwas widerfährt, das an unseren Werten sägt, kann uns das umhauen. Also zum Beispiel: Ungerechtigkeit, Untreue, ein Vertrauensbruch im Business-Kontext oder Disloyalität, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Natürlich brauchen wir hier länger, um das innerlich zu verarbeiten und eine uns dienliche Haltung zu entwickeln. An dieser Stelle ist es besonders wichtig, dass wir uns mit einer Menge Selbstliebe begegnen – denn häufig ist an einen Wertebruch auch eine Verletzung gekoppelt. Das bedeutet: Der Wertebruch ärgert uns nicht nur, er tut uns auch weh. Und wo Schmerz ist, braucht es auch Heilung.

Der Ärger, der uns in diesem Fall begegnet, dient uns als Kompass und zeigt noch einmal genau auf die Werte, auf denen unser Lebensgerüst steht. Und er zeigt darauf, wie unverzichtbar sie für uns sind. Wenn sich auch nach vielen Gesprächen und möglichen Kompromissen nichts ändert, bedeutet das manchmal auch, dass wir uns von Menschen trennen müssen, deren Leben offenbar auf einem anderen Gerüst steht. Durch diese Bewusstheit entsteht eine innere Klarheit, die uns zeigt, welcher Mensch wir sein möchten und wer in unserem Leben einen Platz haben kann. Mit dieser Klarheit entsteht auch Raum, um den Ärger gehen zu lassen. Wisse an dieser Stelle nur, dass es sich meist um einen Prozess handelt, der Zeit braucht. Auch wenn es nervt: Sei geduldig mit dir und deinen Gefühlen. Sobald du sie beleuchtet hast, wird dir einiges so viel klarer.

Und dann gibt es noch das neidische und vergleichende Ärgern

Aus meiner Sicht einer der häufigsten Einärger-Gründe. Und einer, den wir getrost loslassen dürfen, weil er uns – salopp gesagt – einfach eine Menge unnötigen Frust bereitet. Wenn ich neidisch bin, spüre ich das als brennendes Gefühl in meiner Bauch- und Brustregion. Dann finde ich alles ungerecht, mich vom Leben missverstanden und  könnte direkt zu jammern beginnen. Für mich fühlt sich das sehr eng an und ich kann mich dann manchmal selbst nicht mehr hören und leiden. Ein guter Grund, um genau nachzuforschen. Und, was für eine Überraschung, auch hier können wir etwas lernen. 

Die Fragen, die wir uns hier stellen sollten, ist: Wen beneide ich – und wofür? Vielleicht beneide ich meine Freundin, weil ihr immer alles zuzufliegen scheint. Die Männer stehen Schlange, die Kinder sind super in der Schule und auch der Job scheint ihr zu gelingen. Die Mischung aus Neid, Vergleich und Schuldgefühlen, weil wir diese Gefühle einer Freundin gegenüber überhaupt haben, sind so stark, dass wir sie über Ärger und Groll zu katalysieren versuchen. Die Gefühle müssen irgendwo hin und richten sich entweder gegen uns selbst, oder in Form von Ärger und Abwertung gegen jemand anderen. Eine Frage, die sehr ehrlich angeschaut werden möchte, ist: Was erlaubt sich diese Frau, das ich mir (noch) nicht erlaube? Klar, die Schulnoten der Kinder kann man nicht beeinflussen, aber was ist da noch? Erlaubt sie sich, das Leben leicht zu nehmen? Erlaubt sie sich, mit Männern zu flirten? Erlaubt sie sich, sich richtig gut zu fühlen und Raum einzufordern? Fühle ich mich – im Vergleich zu ihr – vielleicht nicht beachtet? Mache ich mich klein, während sie sich viel Raum nimmt? Je ehrlicher wir sind, desto besser. Denn dann können wir in kleinen Schritten beginnen, die Dinge, die wir eigentlich beneiden, auch in unser Leben zu integrieren. Der Ärger kann entweichen und wir können innerlich wieder friedlicher mit der Situation umgehen.

Bei all dem ist mir noch wichtig zu betonen, dass Menschen temperamentsmäßig sehr unterschiedlich sind und dementsprechend auch unterschiedlich auf Ärger reagieren. Introvertierte Menschen wie ich neigen dazu, viele Fragen durch Reflektieren im Innern zu klären. Extrovertierte müssen hingegen viel darüber reden, um den Austausch mit anderen dafür zu nutzen, die Gedanken zu sortieren. Wiederum andere müssen vielleicht mal richtig laut werden, dem Ärger auch körperlich und verbal Raum geben. Im Prinzip ist hier alles erlaubt, das uns und anderen nicht schadet.

Und auch wenn ich es mag, an Dingen zu lernen, es spricht auch nichts gegen richtig menschliches Ärgern und Fluchen! Entscheidend ist allerdings, dass wir irgendwann beschließen, ins konstruktive Denken und Lösen überzugehen, um dem chronischen Ärgern keinen Nährboden zu geben. Denn Loslassen können wir es erst, wenn wir aktiv beschließen, dass dieses Thema kein Thema mehr ist. Wenn wir es verstanden und vielleicht daraus gelernt haben. Nur dann entsteht ein Gefühl des inneren Friedens und der Balance, das uns erlaubt, ganz bei uns zu sein. Und dieses Gefühl ist so viel besser als jedes Rechthaben der Welt.
 

Lea Vogel ist Coach in Berlin. Ihre Website findet ihr hier. Ihren Newsletter könnt ihr hier abonnieren, ihren Podcast hier anhören (beide sind übrigens ganz großartig). Die erste Folge dieser Reihe zum Thema: „Wie wagt man Neues, wenn man Angst vorm Scheitern hat?” könnt ihr hier nachlesen.

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